Trebel. Die Übung bei Trebel entsprach mit der angenommenen Lage der Realität: Viel zu wenig Niederschläge seit Anfang April mit der daraus resultierenden erhöhten Waldbrandgefahr. Das weiterführende Szenario beschrieb steigende Temperaturen von bis zu 30 Grad und zunehmenden Wind. Also eine Situation, die den Gegebenheiten bei der Brandkatastrophe von 1975 entsprach, während der im Raum Trebel-Gartow große Waldflächen vernichtet wurden.

Gäste von weither
Kein Wunder also, dass das Vorhaben weit über den Landkreis hinaus Interesse fand. Die Übung kann durchaus als international bezeichnet werden, denn dazu reisten auch Feuerwehrleute aus den Niederlanden und Luxemburg an. In den beiden Nachbarländern wird derzeit die Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden neu strukturiert und deshalb stieß die Arbeit der Waldbrandbekämpfer in Nordostniedersachsen auf großes Interesse.

Die Wälder, die man heute im Königreich der Niederlande findet, sind allesamt neu angelegt worden. Wie diese werden in trockenen Zeiten Moor- und Heideflächen von Bränden bedroht. Im kleinen Großherzogtum Luxemburg stellen vor allem die Laubwälder des Mittelgebirgszuges der Ardennen mit seinen tiefen Tälern eine große Herausforderung dar. Grund genug für die Feuerwehren dieser Länder, über den Tellerrand hinauszusehen und sich über die Waldbrandbekämpfung in anderen Staaten zu informieren.

In beiden Nachbarstaaten gibt es Berufs- und Freiwillige Feuerwehren, also Systeme, die dem hiesigen nahekommen. Die neun Niederländer und vier Luxemburger waren aber nicht nur als Beobachter im Gartower Forst dabei. Die Gäste gingen Schulter an Schulter mit den deutschen Blauröcken „gegen die Flammen“ vor und trugen so zum Gelingen der Übung bei. Dies gilt auch für den Wassertransportzug der Kreisbereitschaft Uelzen Süd, der den Lüchow-Dannenberger Kräften wertvolle Hilfe leistete.

Überzogener Bericht
Die Übung wurde von Norbert Habermann und Dr. Michael Herrmann gemeinsam angelegt. Der stellvertretende Führer der Kreisbereitschaft 1 (KFB) und der Lüchow-Dannenberger Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) entwarfen ein forderndes Szenario, dass es in sich hatte. Im Gräflich Bernstorff´schen Forst mussten Flächenbrände gelöscht und das weitere Ausbreiten der Flammen verhindert werden, insbesondere auf das in der Übungslage als „B-Dorf“ gefährdete atomare Zwischenlager Gorleben.

Insgesamt nahmen rund 250 Frauen und Männer an der eintägigen Übung teil. Neben den Zügen für Wasserförderung und Waldbrandbekämpfung der KFB 1 waren Wehren aus den umliegenden Ortschaften dabei. Auch das THW beteiligte sich an der Wasserversorgung und legte Löschstreifen an um die weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Die Zusammenarbeit zwischen allen Kräften funktioniert trotz Problemen und so war die Bilanz bei Übungsende zwar positiv, die Beteiligten verschlossen die Augen jedoch nicht vor bestehenden Schwierigkeiten.

So machten Habermann und Dr. Herrman deutlich, dass beispielsweise die Kommunikationsverbindungen verbessert werden müssen. Nur wenn die Verbindungslücken beim Nebeneinander von Analog- und Digitalfunk ausgeräumt werden ist eine geordnete Führung der eingesetzten Kräfte durch die Einsatzleitung und eine Verständigung untereinander möglich. „Übungen sollen solche Schwachstellen aufzeigen und Hinweise auf Handlungsfelder geben“ stellt der THW-Ortsbeauftragte dazu fest.

Erfahrung mitnehmen
Völlig überzogen sieht er in diesem Zusammenhang einen Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR.de), nach dem „die Simulation außer Kontrolle“ geriet. Dies sehen wohl auch die niederländischen und luxemburgischen Kameraden so, die aus dem Gartower Forst viele Anregungen mit in ihre Heimatländer nahmen. Hochinteressant war für die Gäste unter anderem die hiesige Gliederung mit einem speziellen Zug für Waldbrandbekämpfung in der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Das bei der Übung gezeigte hohe Niveau der eingesetzten Kräfte hat die ausländischen Kameraden beeindruckt.

Welche Strukturen in den beiden Staaten für die Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden geschaffen werden bleibt abzuwarten. Das Ergebnis interessiert auch die Verantwortlichen bei Feuerwehr und THW in Lüchow-Dannenberg. Die Verbindung zu den bereits wieder abgereisten Besuchern wird gehalten, denn beide Seiten können für die Zukunft voneinander lernen.

Der Dank von Dr. Herrmann und Habermann gehört abschließend aber nicht nur den Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes für die sanitätsdienstliche Unterstützung und den anderen Übungsteilnehmern. Er gilt auch den Firmen Getränke Dietrich und Vogler sowie Extrawurst Lüchow für ihre „materielle Unterstützung“ der Einsatzkräfte. Darüber hinaus ist der Gräflichen Forstverwaltung zu verdanken, dass die Blauröcke dort üben konnten, wo auch in Zukunft mit Großfeuern gerechnet werden muss.

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Bericht und Bilder: Johann Fritsch