In dem kleinen Dorf Billerbeck spielt die Musik eine ganz besondere Rolle. Die Klänge des Spielmannszuges gehören seit nunmehr 110 Jahren zum Dorfleben dazu. Mehr als 150 musikbegeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Billerbeck und den umliegenden Ortschaften innerhalb und außerhalb der Gemeinde Schnega haben in den vergangenen Jahrzehnten im Spielmannszug Billerbeck und später auch in der Big Band Billerbeck das Instrumentalspiel erlernt und gemeinsam musiziert. Die Musikalität und der Gemeinsinn dieser Menschen wurde dadurch in ganz besonderer Weise gefördert. Mit ihrer Musik haben sie bis heute unzählige Festumzüge, Feiern und musikalische Events bereichert, z.T. weit über die Kreisgrenzen hinaus.

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Alles begann im Jahre 1905 mit dem Kauf einer Trommel und einer Flöte. Sicherlich ohne Noten, aber mutig und mit einem guten Ton- und Taktgefühl gelang es einer kleinen Gruppe von Männern der Billerbecker Feuerwehr, zwei Jahre nach Gründung der Wehr einen Spielmannszug ins Leben zu rufen.

Wie mag die Musik vor über 100 Jahren geklungen haben? Wo traf man sich zum gemeinsamen Musizieren und wie lief ein Übungsabend ab? Darüber können wir heute nur Vermutungen anstellen. Wenn auch vieles sicherlich ganz anders war als in der heutigen Zeit, so ist es doch die Freude am gemeinsamen Musizieren, die die Menschen damals wie heute miteinander verbindet.

Bedingt durch die beiden Weltkriege gab es bis in die fünfziger Jahre hinein immer wieder Zeiten, in denen die Instrumente ruhten.

Mitte der fünfziger Jahre wurde die Billerbecker Spielmannsmusik zu neuem Leben erweckt. Eine stattliche Zahl traditionsbewusster musikbegeisterter Feuerwehrmänner traf sich in regelmäßigen Abständen, um unter der Leitung des Billerbecker Junglehrers Ulrich Rohrwacher das Flöten- und Trommelspiel zu erlernen. Geübt wurde auf dem Saal des Gasthauses Prieß. Erste Notenblätter wurden erstellt. Als Notenständer dienten damals die Ständer des Saales. Der erste Marsch, der auf diese Weise einstudiert wurde, heißt noch heute „Ständermarsch“. Eine Lyra, Pauke und Becken kamen als Instrumente hinzu. Sie rundeten das Klangbild ab und machten die Spielmannsmusik zu der, wie wir sie heute kennen.

Unter der Leitung des Feuerwehrmannes Heinrich Sauß aus Külitz, der im Jahre 1963 das Amt von Ulrich Rohrwacher übernahm und die Musikgruppe 20 Jahre lang führte, wurde der Spielmannzug Billerbeck zum Kreisfeuerwehrspielmannszug ernannt.

Einen weiteren Aufschwung erlebte die Billerbecker Spielmannsmusik mit der Gründung des „Jugendspielmannszuges Billerbeck“ im Jahre 1975. In nur wenigen Monaten gelang es dem engagierten Feuerwehrmann Harald Betke, mehr als 50 Mädchen und Jungen aus Billerbeck und den umliegenden Dörfern für die Spielmannsmusik zu begeistern und so ihren Fortbestand über Jahre zu sichern.

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Im Vordergrund stand nun die musikalische Ausbildung des Nachwuchses. Ohne Musikschule – das wäre für die Familien damals nicht finanzierbar gewesen – aber mit großem ehrenamtlichen Engagement leiteten erfahrene Spielleute des Kreisfeuerwehrspielmannszuges die Neuzugänge in Kleingruppen im Instrumentalspiel an. Mit großem Eifer wurde zu Hause geübt, denn es gab nur ein Ziel - endlich bei einem Auftritt mit allen Spielleuten gemeinsam spielen dürfen.

Unter der musikalischen Leitung von Annegret Struck wurde das Klangbild mit der Anschaffung von Alt- und Tenorflöten und dem mehrstimmigen Spiel schon bald weiter verfeinert. Ein besonderes Erlebnis für alle Spielleute war in dieser Zeit sicher die Teilnahme an einem Wertungspiel beim Landesmusikfest in Hamburg-Wilhelmsburg, bei dem der Billerbecker Jugendspielmannszug einen 2. Platz belegte.

Mitte der 80-iger Jahre suchte man in Billerbeck nach neuen musikalischen Herausforderungen. Wieder war es der Feuerwehrmann Harald Betke, der eine Idee in die Tat umsetzte. Unter seiner Leitung wurde die Big Band Billerbeck gegründet, die sich bis heute musikalisch stetig weiterentwickelt und sich vor allem bei Kennern anspruchsvoller Big Band Musik großer Beliebtheit erfreut.

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In der Billerbecker Spielmannsmusik hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren viel verändert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele der damals musikbegeisterten jüngeren Menschen haben den ländlichen Raum aus beruflichen Gründen verlassen müssen. Es gibt weniger junge Familien. Die sinkende Kinderzahl führte bekanntlich dazu, dass zwei Grundschulen in unmittelbarer Nähe in Kürze geschlossen werden. Auch das Freizeitverhalten der jungen Menschen hat sich deutlich verändert. Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit leider nicht abzusehen.

Trotzdem wird in Billerbeck weiter musiziert – mit kleiner Besetzung, ohne Zwang, aber mit viel Freude an handgemachter Musik und am geselligen Beisammensein. Eine längere Anreise mit dem Auto wird dafür von den musikbegeisterten Spielleuten selbstverständlich in Kauf genommen. Der Spielmannszug Billerbeck zählt heute noch knapp 20 aktive Mitglieder, die sich einmal im Monat zum Übungsabend treffen. Unter der musikalischen Leitung von Annegret Struck-Ahrens, die mit ihren Spielleuten nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten gemeinsam musiziert, wird fleißig für die Auftritte beim Schützenfest in Warpke und beim Erntefest in Schnega geprobt. Ständchen zu runden Geburtstagen in den eigenen Reihen sowie die musikalische Begleitung von Fackelzügen der Feuerwehren in Billerbeck und Schnega runden das Aufgabenfeld ab.

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Musik verbindet - gemeinsam mit anderen Menschen zu musizieren, ist ein Erlebnis, das man nicht mit Worten beschreiben kann. Das muss man erleben. Die Möglichkeit dazu gibt es am Sonntag, den 5. Juli 2015 beim „Musikalischen Dorffest“ in Billerbeck. Die Besucher erwartet ein buntes und abwechslungsreiches Musikprogramm mit Musikern, Sängern und Tänzern aus Billerbeck und der unmittelbaren Umgebung. Mit dabei sein werden neben dem Spielmannszug und der Big Band Billerbeck auch das Ukulelenorchester der Swinmarkschule , die Tanzgruppe „De lütten Swinmärker“ und der Gemischte Chor Schnega. Der Posaunenchor Schnega und der Kirchenchor Schnega werden den Feldgottesdienst, mit dem das musikalische Dorffest feierlich eröffnet wird, musikalisch umrahmen.

Im Rahmen einer Dorfwette soll es zum Abschluss des Festes gelingen, dass mindestens 110 Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht und musikalischen Vorkenntnissen, gemeinsam musizieren. Jeder Teilnehmer nimmt an einer Verlosung teil, bei der es originelle Preise rund um das Thema Musik und Geburtstag zu gewinnen gibt.

Bericht und Bilder: Wolfgang Struck (Feuerwehr Billerbeck)