rg Lüchow. Es ist der härteste Feuerwehrwettkampf der Welt. Und es ist die offizielle Feuerwehr-Weltmeisterschaft: der „Toughest Firefighter Alive“-Wettbewerb. In diesem Jahr fand er im Rahmen der „Interschutz“-Messe in Hannover statt. Und mit dabei: fünf Feuerwehrleute aus Lüchow-Dannenberg. Daniel Bosselmann, Marcel Korsinek, Daniel Oest, Pascal Hillegrub und Lukas Bauch. Gemeinsam mit Benjamin Wiebusch bilden sie das „TFA Team Wendland“. TFA, das steht für „Toughest Firefighter Alive", was übersetzt soviel heißt wie „Die härtesten Feuerwehrmänner, die es gibt“. Und tough muss man wirklich sein, um bei dem Wettbewerb anzutreten. Denn der hat es wirklich in sich.

„Man tritt an insgesamt vier Stationen an, die man jeweils in höchstens vier Minuten zu absolvieren hat“, beschreibt Daniel Bosselmann die zweitägige Quälerei in Hannover. Dabei gilt es etwa, gleichzeitig zwei 80 Meter lange Feuerwehrschläuche auszuziehen und anschließend wieder exakt aufzurollen. Klingt nicht schwer, aber wer so etwas schon mal gemacht hat, der weiß, dass die Schläuche mit jedem Meter schwerer werden, und am Ende durch ihr Eigengewicht und die Reibung fast 150 Kilogramm gezogen werden müssen. „Eine Höllenaufgabe“, sagt Daniel Bosselmann, der das Team 2013 ins Leben rief. Nach der ersten Aufgaben wartet an der zweiten Station ein schweres Stahlgewicht auf einem Schlitten darauf, mit einem Vorschlaghammer über eine bestimmte Strecke geprügelt zu werden. Danach müssen ein schwerer Kanister und anschließend ein Crash-Test-Dummy durch einen Tunnel und dann über eine bestimmte Strecke getragen werden, bevor am Ende der Station eine drei Meter hohe Wand auf die Teilnehmer wartet, die überklettert werden muss.

„Zwischen den Stationen hat man immer nur ein paar Minuten zum verschnaufen“, erläutert Marcel Korsinek. „Und man darf nicht vergessen: Dabei trägt man die ganze Zeit seine schwere Feuerwehrausrüstung und eine Atemmaske.“ Die bleibt auch auf, wenn an der dritten Station Leitern aufgestellt werden müssen und es danach – gefüllte Kanister schleppend – ein zweigeschossiger Turm erstiegen werden muss. Auf den müssen dann auch noch zwei Schläuche hochgezogen werden, und wenn diese Tortur zu ende ist, soll auch noch ein Mundstück auf ein B Strahlrohr gedreht werden – Filigranarbeit mit einem Puls von 200. Die letzte Aufgabe ist dann, den rund 95 Meter hohen Hermes-Turm auf dem Messegelände zu ersteigen. Natürlich weiter unter Atemschutz.

„Man kann sich kaum vorstellen, wie fertig das alles einen macht“, sagt Lukas Bauch. Mit 19 Jahren ist er zusammen mit Pascal Hillegrub das jüngste Teammitglied und körperlich topfit. „Doch das bring einen echt an den Rand der Erschöpfung und darüber hinaus“, sagt Hillegrub. Um diese Strapazen überhaupt durchzustehen, trainiert das Team. Jeder für sich, im Fitnesscenter oder auf der Joggingstrecke, aber jeden Sonntag auch gemeinsam. Wenn andere gemütlich auf der Terrasse sitzen und die Sonne bei einem Stück Erdbeerkuchen und einer Tasse Kaffee genießen, fließt beim TFA Team Wendland der Schweiß in Strömen. Dann rennen sie mit schweren Schläuchen und Kanistern Aussichtstürme hoch, dann prügeln sie mit Vorschlaghämmern auf Stahlgewichte ein, kriechen durch Tunnel, schleppen lebensechte Puppen über Hindernisparcours. Unter Atemschutz. „Dafür lachen uns viele aus, sagen, dass wir bekloppt sind“, sagt Marcel Korsinek. „Aber für uns ist das eben ein Sport, eine Herausforderung. So wie für andere ein Marathon, oder auch ein Fußballspiel.“

Und dafür geben sie alles. Ihre Ausrüstung und das Trainingsgerät haben sie alle selbst gekauft oder selbst gebaut. „Die Sachen von der Feuerwehr nutzen wir nicht“, betont Daniel Bosselmann. Dabei sind sie alle aktive Feuerwehrleute, bei den Wehren in Lüchow, Dannenberg, Künsche und Dangenstorf. „Und dabei, bei den Einsätzen, kommt uns das Training auch zugute“, betont Daniel Bosselmann. „Man merkt schon, dass es einem immer leichter fällt, etwa unter Atemschutz die Leiter hochzuklettern, oder Schläuche in ein Gebäude zu ziehen.“ Doch Unterstützung bekomme sie in Lüchow-Dannenberg trotzdem kaum. „Viele machen sich über uns lustig“, sagt Lukas Bauch. „Und das nervt dann schon.“

Weitermachen werden sie aber natürlich trotzdem. „Wir wollen ja besser werden“, sagt Bosselmann. Die Platzierungen bei der Weltmeisterschaft, wo sie in dem 300-Starter-feld Plätze zwischen 161 und 202 belegten, seien nicht wichtig. „Das war das erste Mal, wir machen das ja, um besser zu werden.“ Und das nicht nur beim „Toughest Firefighter Alive“-Wettbewerb, sondern auch bei den anderen Feuerwehr-Wettbewerben in ganz Deutschland, an denen sie regelmäßig teilnehmen. „Denn schließlich braucht man ja Ziele.“

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Bericht und Bilder: Rouven Groß (EJZ)