Neu Tramm. Mehr als 200 Menschen hörten im Historischen Feuerwehrmuseum Neu Tramm die Berichte von Zeitzeugen über die große Waldbrandkatastrophe von 1975. Angesichts vieler weiterer Veranstaltungen in der Region an diesem Sonntag ein Riesenerfolg für die Veranstalter vom Museumsverein und dem Kreisfeuerwehrverband Lüchow-Dannenberg.

Kreisbrandmeister Claus Bauck begrüßte in der bis zum letzten Platz gefüllten Museumshalle unter anderem Landrat Jürgen Schulz, Vertreter von Behörden, Bundeswehr, Hilfsorganisationen und Feuerwehrangehörige aus den benachbarten Kreisen.

Dem Feuer keine Pause gönnen
Der Landrat zog in einem kurzen Grußwort Parallelen zwischen dem August 1975 und der derzeitig herrschenden hohen Waldbrandgefahr. Er nutzte die Gelegenheit darüber hinaus, um mehrere ehrenamtliche Waldbrandbeauftragte zu ernennen, die sich aus dem Bereich der Forstverwaltung rekrutieren. Für den kurzfristig verhinderten Dr. Michael Herrmann übernahm anschließend der ehemalige Regierungsbrandmeister Uwe Schulz den Eröffnungsvortrag und die Moderation der Veranstaltung.

Dabei ging er zunächst auf die Stürme von 1973 ein, die rund 10 Prozent des niedersächsischen Waldbestandes vernichtet hatten. Der Bruch blieb liegen und diente zwei Jahre später den Flammen als Nahrung. Nach einer langen Trockenperiode mit 30 Grad Hitze, nachts kaum sinkenden Temperaturen und zunehmenden Wind brachen schließlich riesige Waldbrände aus. Zu dieser Zeit gab es in Lüchow-Dannenberg 83 Ortswehren und damit rund 20 mehr als heute.

Diese konnten allerdings nur auf vier Tanklöschfahrzeuge zurückgreifen. Neben den Blauröcken standen Kräfte des Ortsverbandes des Technischen Hilfswerk und Bundeswehrsoldaten aus der Kaserne Neu Tramm im Landkreis zur Verfügung. Uwe Schulz schilderte den Ablauf der Katastrophe und nannte ein wesentliches Erfolgsrezept: „Ein entscheidender Faktor war, dass nachts keine Pausen gemacht wurden, sondern durch die Ablösung von Kräften rund um die Uhr gekämpft wurde.“

Barfuß in den Einsatz
Als Zeitzeugen berichteten auf dem Podium Feuerwehrangehörige, Forstbeamte und als Betroffener der Waldbesitzer Andreas Graf von Bernstorff über die Tage zwischen dem 12. und 17. August 1975. Als Erster ergriff der damalige Lüchower Gemeindebrandmeister Heinz Anders das Wort: „Ich sprang barfuß in die Feuerwehrstiefel und machte mich auf den Weg zur Brandstelle, unterwegs löste ich in jedem Ort die Sirenen aus.“

Er erinnert sich weiter: „Vor Trebel war schon zu sehen, was da auf uns zurollte“ und erzählt davon, dass neben dem Bruchholz in den Wäldern auf den ausgetrockneten Stoppelfeldern noch Stroh lag und die Flammen damit beste Voraussetzungen für ihre Ausbreitung fanden. „Ausrüstung und Tanklöschfahrzeuge waren knapp“, stellte der ehemalige Feuerwehrführer fest. Er wusste aber auch zu berichten, dass die Helfer oft völlig machtlos waren.

Anders schilderte „brüllendes Feuer, 40 Meter hohen Flammen“ und, dass die Männer oft nur flüchten konnten um ihr Leben zu retten: „Wer nicht dabei war, kann sich dies alles nicht vorstellen“ meinte er abschließend zu den Gefahren in jenen Tagen. Andere Zeitzeugen berichteten von vereinzelten Brandstiftungen und den Einsatz von Güllewagen und Milchsammelfahrzeugen, also allem, was Flüssigkeiten transportieren konnte.

Hinter der Grenze
Ein anderer Feuerwehrangehöriger wusste noch, dass sich die Feuerfront innerhalb einer Stunde um 1550 Meter ausbreitete und durch den Wind mehrfach die Richtung wechselte: „Wir hatten aber in Lüchow-Dannenberg keine Verluste an Menschenleben und konnten mehrere stark bedrohte Dörfer retten.“ Graf von Bernstorff erinnerte sich, dass „alles sehr sehr schnell ging“ und er als Waldbesitzer „nur versuchen konnte, den Überblick zu bewahren. Alles andere machten die Feuerwehren.“

Die dicken schwarzen Rauchsäulen über Lüchow-Dannenberg wurden auch hinter der Grenze zur DDR wahrgenommen. Freiwillige Feuerwehrleute aus dem heutigen Altmarkkreis drangen mit Spaten und Patschen bis zum Kolonnenweg in den Grenzanlagen vor, um das eventuelle Übergreifen des Brandes auf ihr Gebiet zu verhindern.

Doch vor den tödlichen Grenzanlagen lag ein fünf Kilometer tiefes Sperrgebiet, das ohne Erlaubnis nicht betreten werden durfte. So wurden die Blauröcke von den Grenztruppen zurückgeschickt, spezielle Brandschutzeinheiten übernahmen die Überwachung an der Staatsgrenze West. Eingreifen mussten sie nicht, denn die westlichen Flammen hielten sich von der „Friedensgrenze“ fern.

Der Nachmittag in Neu Tramm ging mit einem gemütlichen Beisammensein und zahllosen Gesprächen zu Ende. Als nächste und letzte Veranstaltung zur Erinnerung an die Waldbrandkatastrophe von 1975 findet am 3. Oktober am Historischen Feuerwehrmuseum ein Aktionstag statt. Zum geplanten Programm gehören ein Feuerlöschpanzer, verschiedene Vorführungen und alles, was für das leibliche Wohl der Besucher erforderlich ist.

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Heinz Anders erinnert sich als wäre es gestern gewesen
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Das Gelände bot während der Katastrophe eine weitere Herausforderung
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Nach dem Brand in einem Kiefernwald

Bericht und Bilder: Johann Fritsch