Dannenberg. Normalerweise liegt das Containerdorf am Rande von Dannenberg in tiefem Dornröschenschlaf. Dort wurden ausschließlich während der regelmäßigen „Castor-Festspiele“ Polizeikräfte untergebracht, den Rest der Zeit herrschte Ruhe. Doch damit ist es seit Sonntagmittag vorbei.

Auf dem ganzen Gelände sind Feuerwehrleute sowie Angehörige von Behörden und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fieberhaft bei der Arbeit. Dies hat seinen guten Grund, denn ab Montag, den 21. September 2015, sollen dort bis zu 600 Flüchtlinge übergangsweise untergebracht werden.

Abläufe organisieren
Die Menschen werden durch die zentrale Aufnahmestelle des Landes Niedersachsen zugewiesen. Wie sich das Kontingent zusammensetzt weiß niemand, also versucht man sich auf alle Eventualitäten einzurichten. Die Voraussetzungen für eine einigermaßen ordentliche Unterbringung und Versorgung sind im Containerdorf nicht schlecht. „Die Infrastruktur ist sehr gut“, stellt Matthias Hanelt, Kreisgeschäftsführer des DRK, dazu fest.

Am Sonntag geht es darum, alles „zum Laufen zu bringen“ und für die Aufnahme vorzubereiten. Dazu gehört der Brandschutz ebenso wie die Anforderung von Personal. So werden unter anderem Ärzte sowie Dolmetscher für Arabisch und Farsi („Persisch“) organisiert. Letztere ist eine indogermanische Sprache, die von weit über 120 Millionen Menschen im Iran, Afghanistan, Irak, den Golfstaaten und zentralasiatischen Ländern gesprochen wird.

An Vieles ist zu denken, von der Registrierung bis zum Brandschutz, von der ärztlichen Untersuchung über die Verteilung der Wohneinheiten bis zu weiteren Abläufen. Bekleidung, Windeln – was und wieviel gebraucht wird weiß am Sonntag noch keiner der Beteiligten. Das sehen sie erst, wenn die Migranten ankommen. Und dann ist da noch die Verpflegung, allein das ein schwieriges Feld.

Halal kochen
Die ersten Tage sorgen Feuerwehr und DRK für das Essen, anschließend übernimmt ein Caterer diese Aufgabe. Aber bis dahin ist der Verpflegungstrupp (4.Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft 1) gefordert. Dessen Angehörigen kommen von den Ortswehren Lübbow, Bösel und Gorleben, Lemgow stellt den Führungstrupp.

Beim Kochen sind einige Aspekte zu beachten, denn die Speisen für Muslime müssen „halal“, also erlaubt sein. Das arabische Wort bezeichnete Dinge und Handlungen, die nach islamischer Sitte zulässig sind. Auf bestimmte Speisen trifft dies nicht zu. So dürfen Muslime unter anderem kein Schweinefleisch sowie dessen Nebenprodukte essen, auch der Genuss von Blut und Alkohol ist verboten. Aber auch darauf sind die Feuerwehr- und DRK-Köche vorbereitet. „Wir haben entsprechend Kochbücher besorgt“ erklärt Hanelt.

Noch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Stabsraum, Büros, Untersuchungszimmer, Speisesaal und weitere Bereiche werden hergerichtet. Wenn am Montag die Busse kommen muss alles stehen. Durch die Erfahrungen in der bereits mit Flüchtlingen belegten Lüchower Polizeiunterkunft kann zwar manches Problem von vornherein vermieden werden, aber Überraschungen wird es bestimmt geben. Da können sich alle Beteiligten sicher sein!

2015 09 23 01
In den Containern können die Menschen gut untergebracht werden
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Vertreter von Behörden und Kommunen, Feuerwehrführer und DRK, besprechen die Vorbereitungen

Bericht und Bilder: Johann Fritsch