2012 10(fri). Während viele Mitbürger die Zeit der Teilung lieber vergessen möchten oder sie bewusst verdrängen, tun andere alles dafür, dass dieser Teil unserer Geschichte im Bewusstsein bleibt. Dietrich-Wilhelm Ritzmann aus Schnega ist einer davon. Der Rentner hat sich zur Aufgabe gemacht, sowohl die brutale Teilung wie auch die glückliche Wiedervereinigung Deutschlands zu dokumentieren. Er will dazu beitragen, dass das unmenschliche Grenzregime der DDR und das Leid der Menschen in den Gefängnissen der Staatssicherheit nicht vergessen wird. Die nahegelegene innerdeutsche Grenze beschäftigte den ehemaligen Lüchow-Dannenberger

Kreisfeuerwehrbereitschaftsführer von Kindesbeinen an. Er fotografierte das Geschehen am Schnittpunkt zwischen Ost und West und besitzt so eine Sammlung von historisch wichtigen und teilweise einmaligen Aufnahmen. Nach der Wiedervereinigung baute er das „Swinmark“-Grenzlandmuseum in Göhr auf und leitet es bis heute als Direktor. So wie die Grenze gehört auch die Feuerwehr zum Leben des 64-Jährigen. Der Rentner absolvierte in seiner aktiven Zeit mehr Lehrgänge als alle anderen Blauröcke im Landkreis und erreichte den Rang eines Oberbrandmeisters. Im Mittelpunkt seines Engagements standen die Lust zu helfen und die Freude am Dienst in der Feuerwehr.

Wen wie Ritzmann einmal das Fernweh gepackt hat, der möchte immer mehr von der Welt sehen. Zuletzt war er in Nordkorea an der Grenze zum Süden, der undurchdringlichen Barriere zwischen einem menschenverachtenden und einem demokratischen System. Da wurden schon eine Menge Erinnerungen an die ehemalige Trennungslinie zwischen den beiden deutschen Staaten wach.

Der Schnegaer will mit noch möglichst vielen Weltreisen sein Rentnerleben genießen. Doch sein derzeit größter Wunsch dreht sich wieder einmal um das Museum: Er sucht einen ausgemusterten Alouette-Hubschrauber der Bundeswehr oder des ehemaligen Bundesgrenzschutzes. Der Museumsdirektor verspricht sich davon einen Anziehungspunkt für die Sammlung, der noch viel mehr Besucher als derzeit nach Göhr führen könnte. Er setzt seit mehreren Jahren alle Hebel in Bewegung, um ein entsprechendes Luftfahrzeug zu bekommen. Dass dies ein mehr als schwieriges Unterfangen ist, hält Dietrich-Wilhelm Ritzmann in keiner Weise davon ab, es weiter zu versuchen.