(fri). Neu-Tramm. Es ist noch gar nicht so lange her, dass kaum ein Haushalt ein Telefon besaß und von Mobilfunk nicht einmal zu träumen war. Die öffentlichen Fernsprechhäuschen, im Volksmund Telefonzellen, konnte zwar jeder nutzen, brauchte dazu aber Kleingeld. Eine kostenfreie und einheitliche Notrufnummer 112 gab es nicht, Hilfe herbeizuholen war weitaus schwieriger und dauerte erheblich länger als in unserer Zeit.

In den 1960er Jahren wurden in vielen deutschen Städten Notrufsäulen aufgestellt. Die mehr als mannshohen Geräte hießen bald „Eiserner Schutzmann“, wobei sie nicht nur zum Herbeiholen der Polizei, sondern auch zur Alarmierung der Feuerwehr dienten. Die Säulen befanden sich vor allem an zentralen Plätzen, in Grünanlagen sowie in regelmäßigen Abständen an großen Straßen. Darüber hinaus gab und gibt es ähnliche Einrichtungen an speziellen Gefahrenpunkten wie Bahnhöfen und anderen Verkehrseinrichtungen sowie an Autobahnen.

Die Benutzung der klassischen Notrufsäule war leicht verständlich und gebührenfrei. Durch ihre Größe und Farbgebung konnten die Geräte leicht gefunden werden. Die Spitze der Säule bildete eine Rundumleuchte. Sie wurde aktiviert, wenn jemand durch Betätigung eines Knebelschalter über eine Freisprecheinrichtung den Kontakt zur Polizei herstellte. Die Leitstelle konnte ihrerseits jede einzelne Rufsäule anrufen, woraufhin die Rundumleuchte Polizeibeamten vor Ort den Anruf signalisierte.

In der heutigen Zeit, in der fast jeder ein Handy oder Smartphone besitzt, sind nahezu alle Notrufsäulen überflüssig und längst wieder abgebaut. Auch die hohen Kosten durch Betrieb und Reparatur (meist aufgrund von Vandalismus) haben dazu geführt, dass sie weitgehend verschwunden sind.

Das Historische Feuerwehrmuseum Neu-Tramm besitzt zwei Notrufsäulen, eine im Innen-, die andere im Außenbereich. Sie künden von einer Zeit, in der Hilfe herbeizuholen bei weitem nicht so einfach war wie heute. Die Geräte verkürzten in vielen Fällen die Alarmierungszeit und leisteten so einen wichtigen Beitrag zur schnellen Bewältigung von Notlagen.

Notrufsule
Museumsleiter Jürgen Linde an einer der beiden Notrufsäulen

Bericht und Bild: Johann Fritsch