(fri) Gartow. Die Waldbrandkatastrophe von 1975 weckt bei vielen Angehörigen der Kriegsgeneration Erinnerungen an die schlimmste Zeit ihres Lebens. Das Erleben von Flucht und Vertreibung, von Luftangriffen und brennenden Städten kehrt zurück, drei Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse und Ängste sind plötzlich wieder präsent.

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Das heute in Sallahn lebende Ehepaar Klingelhöller betreibt in den 1970er Jahre einen Reiterhof mit Kinderpension in der Nähe von Clenze. Als die Beiden hören, dass es in der Göhrde, bei Gorleben und Nemitz brennt, dass an vielen Stellen in Niedersachsen Feuer wüten, sind bei ihnen sofort die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wieder da.

Elisabeth Klingelhöller flüchtet als Elfjährige aus Ostpreußen durch brennende Dörfer und berichtet von einer Zeit der Angst: „…ringsherum gab es überall einen Feuerschein. Wir, meine Mutter und acht Geschwister, fuhren diesem Feuerschein entgegen…Die Ungewissheit, …schaffen wir es noch dem Inferno zu entkommen.., wird lebenslang in meiner Erinnerung bleiben.“

Karl Klingelhöller wächst im Ruhrgebiet auf und verbringt als Zehnjähriger unzählige Nächte im Luftschutzkeller. Jede Nacht Fliegeralarm und der Vater an der Front, der Junge war der Mann in Haus: „Geh rauf und sieh nach“ hieß es nach den Luftangriffen und Karl ging nach oben. Später muss er als Hitlerjunge bei der Brandbekämpfung helfen. Er läuft durch Feuerstürme und gräbt Verschüttete aus. Bei Kriegsende ist er 14 Jahre alt.

Mit diesen Szenen im Kopf bereiten sich Klingelhöllers 1975 sicherheitshalber darauf vor, ihre Gäste und die Pferde zu evakuieren. In der Nähe von Uelzen findet sich eine Scheune, doch soweit kommt es nicht. Während sich seine Ehefrau um den Hof kümmert stellt sich der Hausherr mit seinem Auto den Einsatzkräften für Meldefahrten zur Verfügung. Er fährt tagelang Wasser und versorgt die Helfer mit Getränken.

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„Es war ein befreiender Tag, als es hieß das Feuer ist unter Kontrolle“ stellt das Ehepaar 40 Jahre später fest, „… Eine tiefe Dankbarkeit kam auf.“ Durch die Erlebnisse in der Jugend weiß das Ehepaar, welch zerstörende Kraft Feuer hat und wie gefährlich entfesselte Flammen werden können. Auch nach 40 Jahren, wenn Klingelhöllers durch die Nemitzer Heide wandern, denken sie jedes Mal an die entsetzlichen Waldbrände und den Einsatz der vielen Menschen, die sich dem Feuer unentwegt entgegenstellten. Umso wichtiger ist ihnen, dass dieses Gebiet so erhalten bleibt wie es ist und nicht durch wirtschaftliche Interessen beeinträchtigt wird.

Bericht und Bilder: Johann Fritsch