(fri) Lüchow. Der inzwischen verstorbene ehemalige Lüchow-Dannenberger Ordnungsamtsleiter Alfred Braband hat zwei Monate nach der Waldbrandkatastrophe vom August 1975 seine Erinnerungen für die Elbe-Jeetzel-Zeitung niedergeschrieben. Nachdem im Teil 1 auf die von ihm geschilderte Ausgangslage eingegangen wurde steht im Teil 2 der Verlauf der Ereignisse im Mittelpunkt.

Am 12. August um 11.55 Uhr erreicht die Katastrophe den Landkreis Lüchow-Dannenberg. Zu dieser Zeit geht in Gartow die Feuermeldung des Feuerwachturms Falkenmoor ein. Eine Minute später wird eine sich verstärkende Rauchsäule zwischen Gorleben und Gedelitz gemeldet. Die FlammGrenzschuetzer im Einsatzen greifen rasch um sich, Feuerwehren, Streifenwagen der Polizei und vom Zoll eilen in das Brandgebiet. Der Landkreis beordert alle auf Baustellen verfügbaren Planierraupen in den Raum Trebel/Rondel. Dann gehen über Funk schlimme Nachrichten bei den Verantwortlichen ein: Immer wieder müssen Löschangriffe wegen der Gewalt des Feuers und der enormen Strahlungshitze schon weit vor der Feuerfront abgebrochen werden. Währenddessen bewegen sich die Flammen auf immer breiteren Raum nach Süden. Oberkreisdirektor Wilhelm Paasche übernimmt die Leitung, kurz darauf findet eine erste Besprechung mit Samtgemeindedirektoren, Feuerwehrführern, Bundesgrenzschutz (BGS) und Bundeswehr statt. BGS und Heer schicken Hubschrauber zur Beobachtung, letztere neben dem Deutschen Roten Kreuz(DRK) auch Sanitätsfahrzeuge. Zum Unterstützung beim Wassertransport kommen Milchtank- und Güllewagen sowie Tanklastzüge regionaler Unternehmen zum Einsatz.

Die Ereignisse überschlagen sich, nicht zuletzt durch böigen Wind, der mehrfach seine Richtung ändert. Um 18.10 Uhr steht die Feuerwand vor Trebel und zwingt die Löschkräfte zum Rückzug. Mehrere Feuerwehrleute sind vermisst, können aber, teilweise mit Rauchvergiftungen, wieder aufgefunden werden.

Das Brandgebiet mit einem Umfang von 25 Kilometer wird in sieben Brandabschnitte unterteilt, in denen jeweils ein Feuerwehrführer, unterstützt von einem Forstbeamten, die Abwehrmaßnahmen leitet. Unterdessen ist immer mehr Hilfe im Anmarsch: Zusätzliche Bergepanzer und Soldaten der Bundeswehr, Grenzschützer, 700 Blauröcke aus anderen Bundesländern mit über 80 Tanklöschfahrzeugen. Alle zusammen sollen gemeinsam mit örtlichen Kräften die vom Wind begünstigte Ausbreitung des Feuers in die großen ost- und südostwärtigen Wälder verhindern.

Bergepanzer schieben Schneisen

In einem insgesamt 126 Stunden dauernden pausenlosen Einsatz gelingt es, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Feuerwehren aus vier Bundesländern, Bevölkerung, Zivilschutz, Technisches Hilfswerk, DRK und Arbeiter-Samariter-Bund, Zoll, Polizei, BGS und Bundeswehr tragen zu diesem Erfolg bei. Alle während des Einsatzes in Lüchow-Dannenberg Verletzten überleben, kein einziges Gebäude fällt dem Feuer zum Opfer.

Zum Ende seines Beitrags stellt Braband fest: „Das heimtückische bei diesem Brand war vor allem, dass das Feuer wohl zeitweilig weit unter der durchschnittlichen Laufgeschwindigkeit lief, dann aber um so heftiger mit Urgewalt voranstürmte und auch bei breiten Schneisen durch Flugfeuer schon weit voraus in immer weiteren Beständen Feuer entfachte.“ Abschließend stellt der Autor fest, dass “der Mensch auch im Zeitalter einer so hochentwickelten Technik noch wie am ersten Tag von Naturgewalten bedroht wird, die mächtiger sind als er und seine Werke.“

Bericht: Johann Fritsch