(fri) Meetschow. Am 12. August 1975 drischt ein Landwirt in der Feldmark den letzten Weizen. Es ist der heute 78-jährige Horst Fährmann, damals Ortsbrandmeister von Meetschow. Kurz vor Mittag sieht er in Richtung der jetzigen Hühnerfarm eine dünne Rauchfahne, die „wie aus einem Schornstein“ hochkommt. Es ist ihm sofort klar, dass da ein Waldbrand entsteht. Fährmann weiß von den Feuern in den Nachbarlandkreisen und seine eigene Wehr hat Wochen vorher auch schon zwei kleinere Entstehungsbrände bekämpft, die allerdings schnell in den Griff bekommen. „Natürlich war man dadurch schon sensibilisiert“ erzählt er, als wäre es gestern gewesen, „denn es war sehr trocken, wochenlang kein Regen…“

„Ich habe sofort meinen Mähdrescher abgehängt, bin mit dem Trecker nach Meetschow gefahren und habe die Sirene ausgelöst“, erinnert er sich. Dann fahren er und fünf oder sechs Kameraden mit dem VW-Bulli der Wehr und Privatfahrzeugen zu der Stelle, wo heute das Gorlebener Infohäuschen steht. Dort lassen sie die Autos stehen und marschieren mit Schaufeln und Spaten zur Brandstelle. Dort brennt es aber schon derart, dass sie sich nicht ins Dickicht trauen können. Sie suchen einen anderen Weg um sich anzunähern. Zu diesem Zeitpunkt kommt Verstärkung durch das Tanklöschfahrzeug der Gartower Wehr und ein Güllewagen. Das Wasser ist aber schnell alle und die Flammen kommen näher. „Das Feuer war da schon mächtig, es hat uns wohl ausgelacht“, erzählt der altgediente Feuerwehrmann: „Es hatte keinen Sinn, wir hätten uns nur in Gefahr begeben.“ Nun versuchen sie es von der Seite: „Über den mehrere Meter breiten Weg ging eine hohe Flammenwand hinweg, die Kronen der Bäume brannten, eine sehr gefährliche Situation. Man hat wie in einen Hochofen hineingesehen. Das werde ich nie vergessen.“

Angesichts der aussichtslosen Lage bekommt ein Kamerad Panik und läuft davon. Seine Kameraden können es nicht verhindern und erfahren erst am Abend, dass er noch lebt und es ihm gut geht. Ihre Sorgen sind verständlich, denn alle Beteiligten wissen, dass im Landkreis Gifhorn fünf Blauröcke in den Flammen den Tod gefunden haben.

Am Abend versuchen die Meetschower am Rande des Gräflichen Forstes zu löschen, doch der Kampf gegen das Seitenfeuer muss nach anfänglichem Erfolg abgebrochen werden. Das Feuer geht explosionsartig hoch: „Nichts wie raus, wir sind eingeschlossen.“ Fährmann und seine Leute lassen das Auto stehen und machen sich zu Fuß auf den Weg. Der Ortsbrandmeister weist seine Männer an, sich notfalls in eine der tiefen Fahrspuren zu legen und zu warten, bis das Feuer zusammenfällt. Doch soweit kommt es nicht und die Meetschower können auf einer bereits abgebrannten Fläche erstmal durchatmen. Die Sorge Fährmanns, dass die Flammen Kurs auf sein Dorf nehmen könnten erfüllt sich nicht, das Feuer dreht nach Süden ab.

Nach kurzem Aufenthalt daheim sammeln sich die Meetschower wieder und übernehmen im Randbereich des Waldbrandes die Wache. Am Abend kommt ein Bergepanzer der Bundeswehr, dessen Kommandant fragt, ob er eine rauchen könne. Dies stößt nicht auf Begeisterung, wie sich Fährmann erinnert. Anschließend führt er mit einer großen Taschenlampe den Bergepanzer durch das Dickicht. „Kein gutes Gefühl, fünf Meter davor“, erinnert er sich vor allem deshalb, weil er dabei hingefallen ist: „ Aber der Panzer stand sofort.“

Sein Einsatz geht erst nach rund 48 Stunden zu Ende, zwischendurch ruhen Fährmann und seine Männer kurz im Wald. Während der ganzen Zeit nutzen unzählige Tanklöschfahrzeuge einen Bohrbrunnen im Dorf um aufzutanken: „Die kamen von überall her, vor allem aus Nordrhein-Westfalen.“ Als in den nächsten Tagen die Kräfte abrücken übernehmen die Meetschower die Brandwache, denn es dauert noch, bis die Gefahr endgültig beseitigt ist.

Luebeck
Auswärtige Feuerwehrleute kamen ins Wendland um zu helfen
Tschauder 06
Verbrannte Wälder weit und breit

Bericht und Bilder: Johann Fritsch