(fri) Lüchow. Eberhard Wetter hat jene Tage im August 1975 noch lebhaft in Erinnerung. Der pensionierte Brigadegeneral der Bundeswehr, Jahrgang 1932, war damals Oberst und Chef des Stabes der 1. Panzergrenadierdivision in Hannover. Er hatte damit eine entscheidende Funktion in diesem Großverband. Zu seinen Aufgaben gehörten die Koordinierung der Stabsarbeit sowie die Vorbereitung von Führungsentscheidungen und deren Umsetzung in Befehle.

Oberst Wetter erhielt die Meldung von einem größeren Waldbrand am Samstagvormittag vom Kommandeur des unterstellten Fernmeldebataillons 1. Die Truppe war auf Übung, half jedoch die Flammen zu bekämpfen. Auf die Information hin, dass möglicherweise der Einsatz weiterer Bundeswehrkräfte erforderlich sei, wurde der Offizier aktiv: „…Um mir selbst ein Bild von der Lage zu verschaffen und eventuell notwendige Maßnahmen vorbereiten zu können, flog ich…zum Gefechtsstand des Fernmeldebataillons, ließ mich einweisen und verschaffte mir dann aus der Luft einen Überblick über Ausdehnung und Intensität des Feuers. Danach kam ich zu dem Entschluss, den Divisionskommandeur… telefonisch zu informieren und seine Zustimmung für die Maßnahmen einzuholen, die bei einem Einsatz der Division zur Brandbekämpfung notwendig werden würden.“ Der Divisionsstab und die unterstellten Truppen wurden alarmiert und über die Lage informiert. Problematischer war die Verbindungsaufnahme mit einer zuständigen Behörde im Landkreis Celle: „Es gab keine zuverlässigen Fernmeldeverbindungen und es war offensichtlich nicht klar, wer verantwortlich und wer entscheidungsbefugt war.“ Obwohl die Streitkräfte von ziviler Seite noch nicht angefordert waren befahl der Divisionskommandeur, einen Gefechtsstand in der Nähe der zivilen Einsatzzentrale aufzubauen. Dort begann sofort die Stabsarbeit: „Weiter wurde entschieden, die Truppe…auf festgelegten Straßen in Bereitstellungsräume zu verlegen, sichere Fernmeldeverbindungen aufzubauen und die Ausrüstung der Soldaten zu überprüfen und zu ergänzen, zum Beispiel hinsichtlich des Atemschutzes. Vorsorglich wurden dann noch Räume festgelegt, die für die unterstützenden Kräfte aus dem gesamten Gebiet freigehalten werden sollten.“

O Wetter
Oberst Eberhard Wetter als Chef des Stabes

Brigadegeneral a.D. Wetter weiter: „Ohne uns in die Arbeit der zivilen Einsatzzentrale einzumischen, haben wir dann von den örtlichen Forstleuten und Feuerwehren Informationen über die Art des Waldbestandes, die Bodenbeschaffenheit und Erfahrungen bei früheren Bränden eingeholt.“ Die Division ist durch generalstabsmäßige Planung vorbereitet, als die zivile Seite schließlich die Bundeswehr anfordert: „Aus meiner Sicht lief alles wie bei einer großen Übung ab…Ein Beispiel war der Entschluss, eine breite Schneise entlang einer Straße durch den Wald zu schlagen. Die Bäume sollten beiderseits der Straße von Bergepanzern so umgedrückt werden, dass auch bei starkem Wind keine Wipfelfeuer überspringen konnten. Beide Seiten der Straße sollten dann mit allen Mitteln nass gehalten werden, das heißt, Löschflugzeuge, Hubschrauber mit Wassersäcken und Löschmöglichkeiten der Feuerwehren sollten dort konzentriert werden.“

Pioniere
Pioniere im Einsatz

„Gott sei Dank brauchte die Schneise ihre Wirksamkeit nicht mehr unter Beweis stellen“, erzählt der heute 83-Jährige. „Der Wind drehte und fachte das Feuer nicht weiter an, sodass es schließlich unter Kontrolle gebracht werden konnte.“ Nach dem Rückmarsch der Truppe in ihre Standorte wurde Bestandsaufnahme gemacht: „Einerseits mussten Materialverluste festgestellt werden und außerdem musste das eigene Führungsverhalten und die Effizienz der eingesetzten Soldaten kritisch überprüft werden.“

Abschließend erinnert sich Eberhard Wetter „mit einigem Stolz“ daran, „dass es von der Presse viel Anerkennung -selbst vom Spiegel…- für die Leistung der Soldaten bei der Bekämpfung des Waldbrandes gab. Er stellt sich angesichts von fünf Opfern aber auch die Frage, „…ob der Tod der Feuerwehrleute hätte verhindert werden können, wenn es bessere Führungsmöglichkeiten über Funk gegeben hätte.“